Projekte

Ein zentrales Anliegen der »Allianz internationaler Produktionszentren für Figurentheater« ist es, kontinuierlich gemeinsame Projekte auf den Weg zu bringen und zu gestalten.

Extend it!
03. – 05. Dezember 2021

Dezentrale Konferenz zum Jetzt und Morgen des Figurentheaters

Was brauchen Produktionshäuser, was brauchen Künstler*innen, um zukunftsweisend arbeiten zu können? Hat Theaterjournalismus eine Zukunft? Und was ist überhaupt dieses Figurentheater, was will es morgen sein?

Die »Allianz internationaler Produktionshäuser für Figurentheater« – FITZ Stuttgart, Schaubude Berlin und Westflügel Leipzig – lädt vom 03. bis 05. Dezember 2021 zur dezentralen Konferenz mit analogen und digitalen Gesprächsformaten, Vorträgen, Workshops und künstlerischen Beiträgen ein. Die Konferenz findet in allen drei Städten gleichzeitig statt. Einige Veranstaltungen sind online und können so ortsunabhängig mitverfolgt werden.

Die Konferenz bildet den Abschluss für das Projektjahr EXTEND, in dem sich die Allianz gemeinsam mit aktuellen Herausforderungen beschäftigt und in engen Austausch begeben hat.

»EXTEND – Offensive für Weiterbildung, Vernetzung und Stärkung des Figurentheaters« wird gefördert vom Fonds Darstellende Künste aus Mitteln der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien.

Infos & Programm

Dokumentation

»Das Programm war reichhaltig, ging es doch laut Konferenz-Untertitel um nichts Geringeres als das ›Jetzt und Morgen des Figurentheaters‹. Es wurde über Transformationsprozesse im freien Theater, über Arbeits- und Produktionsbedingungen nachgedacht, theatrale Potenziale digitaler Tools wurden ausgelotet, Produktionshäuser der Zukunft imaginiert sowie die Lage von Kultur- und insbesondere Theaterjournalismus diskutiert. … Das Interesse der Teilnehmenden, sich über verschiedene Auffassungen von Figurentheater sowie über ästhetische Konzepte und Praktiken auszutauschen, war groß. … Möge sich das Nachdenken … über die Bildschirme hinaus produktiv fortsetzen!«

Annika Gloystein, »Wir üben uns im Fragen stellen«, DOUBLE 45 (01/22)

EXTEND
2021

Offensive für Weiterbildung, Vernetzung und Stärkung des Figurentheaters 2021

Kaffee mit Zucker?, Foto: Peter van Heesen

Mit EXTEND ging der Westflügel Leipzig 2021 in die Offensive: Bedarfsanalyse, Austausch, Weiterbildung. EXTEND suchte nach neuen Potentialen für Produktionsorte von Figurentheater, nach Lösungen für aktuelle Probleme, nach zukunftsweisenden Impulsen. In enger Zusammenarbeit mit dem FITZ Stuttgart und der Schaubude Berlin wurden Formate für Fachpublikum, Expert*innen und eine breite Öffentlichkeit angeboten.

EXTEND setzte auf Vernetzung der Arbeitenden »hinter der Bühne« sowie der Menschen »vor der Bühne«. Dabei stand die Weiterentwicklung der eigenen Arbeitsweisen und die Vertiefung von Diskursen, die direkt aus der gegenwärtigen Arbeit entstehen, im Fokus, um aktuelle Möglichkeiten zu bündeln und neue Reichweiten, Erkenntnisse und Potentiale der Kunstform Figurentheater zu entfalten.

Die Theaterwissenschaftlerin und am Projekt beteiligte Jessica Hölzl reflektiert ein Jahr EXTEND rückblickend wie folgt:

Seit 2020 bilden FITZ Stuttgart, die Schaubude Berlin und der Westflügel Leipzig die „Allianz internationaler Produktionszentren für Figurentheater“, ein Netzwerk für künstlerische Zusammenarbeit. Das Jahr 2021 stand für die Allianz unter dem Zeichen von Vernetzung und Austausch. Unter dem Titel EXTEND entspann sich ein Prozess, der das neue Bündnis entwickeln, erproben und mögliche Potenziale ausloten sollte. Wichtige Leitfragen, die diesen Prozess über das ganze Jahr begleitet haben, waren: Worum geht es uns? Wie wollen wir arbeiten? Was sind Gemeinsamkeiten, Schnittstellen und Möglichkeiten?

Die Produktivität der Allianz erstreckte sich für mich entlang zwei zentraler Säulen. Zum einen braucht es Strukturen und Netzwerke. Gerade in der freien Szene ist die aktive Vernetzung im Sinne von persönlichem Kontakt und Zusammenarbeit wichtig, um Sichtbarkeit zu erzeugen, gemeinsame Bedarfe [kultur-]politisch wirksam zu artikulieren und durch gegenseitigen Austausch die eigenen Betriebsabläufe zu unterstützen.

Zum anderen ist Figurentheater ein künstlerisches Feld, das in seiner Formenvielfalt vielleicht einzig ist. Versuche, den Gegenstand „Figurentheater“ zu spezifizieren, führten zu einer Unmenge möglicher Definitionen, Widersprüche und Unterschieden. Fazit: Das Feld ist so divers! Wir werden uns nicht auf künstlerische Formen oder Ästhetiken einigen können – müssen wir aber auch nicht! Das Potenzial der Szene liegt möglicherweise gerade in den vielfältigen verschiedenen Aufgaben und Wirkungsbereichen der Akteur*innen, entsprechend ihrer ästhetischen und lokalen Verortung und Ausrichtung.

Dabei ist es beeindruckend, wie sich eine so heterogene Runde bereitwillig und gerade in der Vielfalt enorm produktiv über Probleme, Wünsche und Utopien ihrer Arbeitsweisen und Produktionsstrukturen austauscht.

Entlang zentraler Schlagworte wurden konkrete Handlungsstrategien rund um Digitalität, Nachhaltigkeit und Inklusion diskutiert. Wie können wir uns besser vernetzen? Wie können wir sozial gerecht arbeiten? Wie können wir zugangsarme und reflektierte Selbstverständnisse und -verpflichtungen erarbeiten und diese auch umsetzen?

Eine wichtige Erkenntnis, die nicht neu, aber doch dringend immer wieder ins Bewusstsein zu rufen ist: Arbeit an der Struktur ist Arbeit – und zwar dringend notwendige Arbeit. Netzwerkarbeit darf nicht vernachlässigt werden. Die Entwicklung und Unterstützung von Aus- tausch zu künstlerischen Ästhetiken und Inhalten, zu gemeinsamen Werten und Standards machen eine Modellfunktion freier Produkti- onshäuser überhaupt erst möglich. Als Pionier*innen mit Pilotfunk- tion tragen freie Produktionszentren zentral zur Erprobung und Ent- wicklung zukunftsweisender, nachhaltiger und inklusiver Arbeits- und Produktionsweisen bei, deren Auswirkungen keineswegs auf künstlerisches Arbeiten beschränkt sind. Strategien zukünftiger Gesellschaften müssen skizziert, probiert und umgesetzt werden – zukunftweisende Visionen können hier im Kleinen umgesetzt werden.

Wie geht es weiter? Kann es weitergehen?

Die Netzwerkförderung, die den intensiven Austausch und die gemeinsame Arbeit im Rahmen von EXTEND ermöglichte, wurde bislang nicht verstetigt. Die Allianz macht weiter. Utopisch, visionär und schlecht bezahlt, wird jede*r Einzelne auch im kommenden Jahr gegen die längst erkannte Selbstausbeutung ankämpfend Bereitschaft zeigen, sich zu engagieren. Denn das war toll – und das soll weitergehen!

Viele Themen sind nur angerissen und wollen weitergeführt werden. Sensibilisierung, Dehierarchisierung und Awareness sind Prozesse, die die Allianz als Arbeitsauftrag begleiten werden. Diversität und Zugänglichkeit nach innen und außen wurden als Probleme benannt und diskutiert. Hier sollten weitere fundierte Beobachtungen und [Selbst-] Reflexionen folgen, um von dort aus ins Tun zu kommen. Die Förderung von Nachwuchs ist ein Aspekt, der weiter ausgebaut werden soll. Gemeinsame Aktionen wie Festivals, Kongresse und Großauftritte sind Events, die hoffentlich eines Tages wieder realisierbar werden. Bis dahin schafft die Allianz Bündnisse, stärkt Netzwerke und sucht gesellschaftstaugliche Utopien als Modelle für ein nachhaltiges, inklusives und kollektiv vernetztes Jetzt und Morgen – nicht nur des Figurentheaters.


Jessica Hölzl, Theaterwissenschaftlerin und im Rahmen von EXTEND im Bereich Dokumentation tätig

»EXTEND – Offensive für Weiterbildung, Vernetzung und Stärkung des Figurentheaters« wird gefördert vom Fonds Darstellende Künste aus Mitteln der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien.

Virtueller Stammtisch
2021/22

Banner: Robert Voss, Montage: Dana Ersing

Der virtuelle Stammtisch bringt Stuttgart, Berlin und Leipzig zum Thekengespräch zusammen. Künstler*innen, Mitarbeitende und Publikum sind herzlich eingeladen – gemeinsam werden aktuelle Themen besprochen, wird geplauscht und angestoßen. Geboren aus der Not, da mit dem andauernden Spielverbot auch Austausch und Begegnung auf der Strecke bleiben, wird der virtuelle Stammtisch aufgrund seiner Beliebtheit als dauerhaftes Event fortbestehen.

Das FITZ Stuttgart, die Schaubude Berlin und der Westflügel Leipzig, die gemeinsam die »Allianz internationaler Produktionszentren für Figurentheater« gegründet haben, laden daher auch in den kommenden Monaten zum gemeinsamen Abend.

Im Januar und Februar 2021 haben wir uns freitags mit Künstler*innen ausgetauscht, die Einblicke in die Arbeiten gegeben haben, die eigentlich hätten stattfinden sollen – nun wechselt das Format auf einen monatlichen Rhythmus zu verschiedenen Themen. Kurze Impulse und Einblicke eröffnen den Abend, danach wird geplaudert und philosophiert, wie sonst an der Theaterbar. Nachdem im März die künstlerische Forschung im Zentrum stand, werden in den kommenden Monaten besondere Formate für kleines Publikum besprochen. Wir werden der Frage nachgehen, wie internationale Zusammenarbeit gelingt – auch in Zeiten von Corona. Und wir beleuchten Strukturen und Arbeitsweisen auf der Suche nach dem Produktionszentrum der Zukunft.

Die Treffen finden online statt und sind kostenfrei, die Zahl der Teilnehmenden ist aber begrenzt – eine Anmeldung zu den Abenden ist daher nötig.

Aktuelle Informationen und Tickets

Stammtisch für junges Figurentheater
2021/22

Grafik: Franz Schroers

Mit dem monatlichen Stammtisch für junges Figurentheater soll ab Mitte 2021 ein Ort entstehen, an dem junge Figurentheatermenschen, Studierende und Absolvierte der verschiedenen Hochschulen sowie Quereinsteigende sich kennenlernen und über Erfahrungen, Visionen, fragwürdige Hochschulpolitik und Zukunftsängste austauschen können. Darüber hinaus soll es Raum geben, sich gegenseitig Zwischenstände und Ergebnisse aktueller Arbeiten zu zeigen und auf kollegialer Augenhöhe darüber zu sprechen.

Jeden Monat wird es einen Themenschwerpunkt geben. Moderiert und organisiert wird der Stammtisch von einer Arbeitsgruppe, die aus Studierenden und Absolvierten der Hochschulen in Berlin und Stuttgart besteht. Diese AG sammelt Themen und lädt zu besonders gruseligen und undurchsichtig-zwielichtigen Themen (Förderungen, Steuer, Erstengagement, etc.) Expert*innen (alte Hasen der Szene) ein, damit der Nachwuchs hemmungslos von deren Fehlern und Erfahrungen profitieren kann.

Die Treffen finden online statt und sind kostenfrei, die Zahl der Teilnehmenden ist aber begrenzt – eine Anmeldung zu den Abenden ist daher nötig.

Aktuelle Informationen und Tickets

Kunsterlebnis
Dezember 2020

Eine Aktion der Allianz internationaler Produktionszentren für Figurentheater

Mandragora, Foto: Peter Ardmar

Mein Herz stand beinahe still

Dieser Satz stammt von Helen Keller, einer blinden und gehörlosen Autorin (1880-1968). Geschrieben in einem Brief an das New York Symphony Orchestra, deren Konzert-Übertragung von Beethovens 9. Sinfonie sie am Radio mit der Hand auf der Membran fühlte.

Was Helen Keller beschreibt, ist eine Kunst-Berührung, die den Kern von Kunst und Kultur ausmacht und durch die Schließung der Kultur-Orte derzeit nur noch sehr eingeschränkt möglich ist. Warum diese Berührung so wichtig ist und was fehlt, wenn sie nicht mehr mit anderen Menschen erlebt werden kann, ist schwer zu beschreiben.

Nicht aus Nostalgie, sondern um der Relevanz von Kunst und Kultur näher zu kommen und uns darüber auszutauschen, startete die Allianz im Dezember 2020 eine Sammlung von persönlichen Beschreibungen kultureller Erlebnisse, die das Herz beinahe still stehen ließen oder es zum Rasen brachten, die enthoben, verbanden, bewegten oder erregten, Erleuchtungen und Offenbarungen!

Hier gibt es die vollständige Sammlung der persönlichen Kunsterlebnisse.